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Lasse Fischer im Interview: Was kommt nach der Promotion?

Lasse Fischer hat im September 2025 seine Promotion in mathematischer Statistik an der Universität Bremen erfolgreich abgeschlossen. Seine Dissertation trägt den Titel „Advances in anytime-valid hypothesis testing and online multiple testing“. Kaum ein paar Monate später arbeitet er bereits als Postdoktorand in derselben Arbeitsgruppe bei Professor Werner Brannath.

Viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stehen nach der Promotion vor ähnlichen Fragen: Bleibt man in der Akademie? Wechselt man in die Industrie? Wie verändert sich der Alltag? In diesem Beitrag teilt Lasse Fischer offen seine Erfahrungen, Herausforderungen und Tipps. Der Text basiert auf einem ausführlichen Gespräch mit ihm und gibt authentische Einblicke in den Übergang von der Promotions- zur Postdoc-Phase.

BIO

LabelInformation
NameLasse Fischer
Aktuelle PositionPostdoktorand
InstitutionUniversität Bremen
ArbeitsgruppeWerner Brannath
FachgebietMathematische Statistik
Promotion abgeschlossenSeptember 2025
DissertationstitelAdvances in anytime-valid hypothesis testing and online multiple testing
ForschungsschwerpunkteAnytime-Valid Inference, Online Multiple Testing
Wichtiger AuslandsaufenthaltCarnegie Mellon University (bei Aaditya Ramdas)
PreiseFachbereichspreis Mathematik, Bernd-Streitberg-Preis
Kontaktfischer1@uni-bremen.de
ORCID0000-0003-3380-0066
Websitefischerl5.wordpress.com

Der Weg zur Promotion

Lasse Fischer kommt aus Norddeutschland und hat seinen Bachelor und Master in Mathematik an der Universität Bremen absolviert. Während des Studiums verbrachte er ein Auslandssemester in Cardiff und sammelte praktische Erfahrungen als Praktikant bei KPMG und D-fine sowie als studentische Hilfskraft im Competence Center for Clinical Trials Bremen.

Seine Promotion startete im Oktober 2022 im Rahmen des Research Training Group π³ (RTG Pi³). Das Thema seiner Arbeit lag im Schnittbereich von statistischer Theorie und Anwendung – konkret bei sequentiellen Verfahren und Online-Multiple-Testing. Ein Highlight war der Forschungsaufenthalt im Frühjahr 2024 bei Aaditya Ramdas an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Dieser Austausch hat seine Arbeit stark geprägt.

„Ich habe während der Promotion gemerkt, wie wichtig es ist, nicht nur theoretisch sauber zu arbeiten, sondern auch reale Anwendungen im Blick zu behalten – etwa in klinischen Studien oder Plattform-Trials“, erzählt Lasse. Die Betreuung durch Werner Brannath und die enge Zusammenarbeit im RTG haben ihm geholfen, methodisch tief zu gehen und gleichzeitig internationale Kontakte aufzubauen.

Der Moment der Disputation

Die Disputation fand im September 2025 statt. Für viele Promovierende ist dieser Tag mit einer Mischung aus Anspannung und Vorfreude verbunden. Lasse beschreibt ihn als erleichternd und motivierend zugleich.

„Man hat jahrelang an einem Thema gearbeitet, und plötzlich muss man es in kompakter Form verteidigen. Das zwingt einen, die eigene Arbeit noch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.“ Nach der erfolgreichen Verteidigung folgte ein Gefühl der Freiheit – aber auch die Frage, wie es nun weitergeht. Die Promotion war kein Ende, sondern ein Übergang.

Vom Doktoranden zum Postdoc

lasse fischer

Seit Oktober 2025 arbeitet Lasse als Postdoktorand in der gleichen Bremer Arbeitsgruppe. Viele fragen sich: Warum nicht gleich den Wechsel wagen? Für ihn war die Entscheidung klar.

„Als Postdoc habe ich mehr Freiheit bei der Themenwahl, kann eigene Projekte vorantreiben und stärker in die Lehre einsteigen. Gleichzeitig profitiere ich weiter vom etablierten Netzwerk hier in Bremen.“ Der Alltag hat sich verändert: Weniger strukturierte Kurse, mehr eigenverantwortliche Forschung, mehr Zeit für das Schreiben von Papern und das Einwerben von Mitteln.

Ein typischer Tag umfasst jetzt oft das Lesen neuer Preprints, das Entwickeln von Algorithmen, das Programmieren in R oder Python und Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen. Die Verantwortung wächst – nicht nur für die eigene Forschung, sondern auch für die Betreuung von Studierenden.

Aktuelle Forschungsprojekte und Schwerpunkte

Lasse Fischers Arbeit dreht sich um anytime-valid inference und online multiple testing. Diese Methoden erlauben es, Hypothesen sequentiell zu testen, ohne das Fehlerrisiko zu verlieren – auch wenn man die Stichprobengröße nicht im Voraus festlegt. Das ist besonders relevant für klinische Studien, bei denen Daten laufend eingehen.

Zu seinen wichtigen Publikationen gehören Arbeiten wie „The Online Closure Principle“ (erschienen in den Annals of Statistics), „Sequential Monte Carlo testing by betting“ (Journal of the Royal Statistical Society Series B) und verschiedene Preprints zu e-values und FDR-Kontrolle. Gemeinsam mit internationalen Kollegen wie Aaditya Ramdas und Marta Bofill Roig entwickelt er Verfahren, die in der Praxis robuster und flexibler sind.

„Die Herausforderung liegt darin, mathematisch elegante Lösungen zu finden, die auch von Anwendern genutzt werden können. Deshalb arbeite ich eng mit dem Competence Center for Clinical Trials zusammen.“ Seine Methoden finden Anwendung in Plattform-Trials, wo mehrere Therapien parallel getestet werden, oder bei der Auswertung von Streaming-Daten.

Preise und Anerkennung

Schon während der Promotionszeit erhielt Lasse Fischer mehrere Auszeichnungen. Dazu gehören der Fachbereichspreis Mathematik der Universität Bremen und der Bernd-Streitberg-Preis der Deutschen Region der Internationalen Biometrischen Gesellschaft für seine Masterarbeit zu Online-Multiple-Testing. Diese Preise haben nicht nur seine Motivation gesteigert, sondern auch Türen geöffnet – etwa zu Einladungen für Vorträge bei Novartis, dem CWI in Amsterdam oder internationalen Konferenzen.

Akademie oder Industrie – eine echte Entscheidung

Viele Promovierte in der Statistik stehen vor der Wahl zwischen Hochschule und Wirtschaft. Lasse hat beide Welten kennengelernt – durch Praktika und eine kurze Tätigkeit als Visiting Researcher bei Novartis.

„In der Industrie geht es oft schneller voran, die Projekte haben direkten Impact, und das Gehalt ist attraktiver. In der Akademie hat man mehr Freiheit bei der Themenwahl und kann langfristig grundlegende Methoden entwickeln.“ Er sieht Vorteile auf beiden Seiten und rät, frühzeitig Kontakte zu knüpfen.

Für ihn stand bisher die akademische Laufbahn im Vordergrund, doch er schließt einen späteren Wechsel – etwa in die Versicherungsmathematik oder Pharmaindustrie – nicht aus. Wichtig sei, ein starkes Publikationsprofil und ein gutes Netzwerk aufzubauen.

Persönliche Tipps für angehende Promovierende

Auf die Frage, was er heute anders machen würde, antwortet Lasse nachdenklich: „Früher mehr auf Work-Life-Balance achten. Die Promotion kann sehr fordernd sein, und Rückschläge bei Reviews oder fehlgeschlagenen Experimenten gehören dazu.“

Seine konkreten Empfehlungen:

  • Netzwerken: Besuche Konferenzen, schreibe internationale Forscher an und nutze Forschungsaufenthalte.
  • Soft Skills: Lerne, deine Ergebnisse klar zu präsentieren – sowohl für Fachpublikum als auch für Anwender.
  • Publizieren: Qualität vor Quantität. Ein starkes Paper in einer guten Zeitschrift zählt mehr als viele mittelmäßige.
  • Mentoren suchen: Eine gute Betreuung ist Gold wert, aber auch informelle Gespräche mit Postdocs helfen enorm.
  • Motivation halten: Konzentriere dich auf die Fragestellungen, die dich wirklich interessieren. Das trägt durch schwierige Phasen.

Er betont auch die Bedeutung mentaler Gesundheit. „Es ist okay, mal einen Schritt zurückzutreten. Die Statistik-Community ist insgesamt sehr unterstützend.“

Die nächsten Jahre im Blick

In den kommenden drei bis fünf Jahren möchte Lasse seine Forschungsagenda weiter ausbauen. Geplante Themen umfassen post-hoc-Auswertungen, verbesserte e-value-Methoden und Anwendungen in der personalisierten Medizin. Langfristig könnte eine Juniorprofessur oder eine leitende Position in einem Forschungsinstitut das Ziel sein.

Er ist optimistisch für die nächste Generation: „Die Statistik entwickelt sich rasant – durch Machine Learning, Big Data und sequentielle Verfahren. Wer neugierig bleibt und interdisziplinär denkt, hat hervorragende Chancen.“

Gleichzeitig warnt er vor zu großem Druck: „Es ist nicht schlimm, wenn der Karriereweg nicht linear verläuft. Wichtig ist, dass man lernt und etwas Sinnvolles beiträgt.“

Ein inspirierender Abschluss

Die Promotion ist kein Schlusspunkt, sondern der Start in eine neue Phase voller Möglichkeiten. Lasse Fischer zeigt, wie man mit Leidenschaft, Ausdauer und einem guten Netzwerk erfolgreich weitermachen kann. Ob in der Forschung, Lehre oder angewandten Statistik – der Weg nach der Promotion bietet Raum für eigene Ideen und echten Impact.

Für alle, die gerade promovieren oder überlegen, ob sie den Schritt wagen sollen: Lasses Geschichte macht Mut. Die Zeit nach der Promotion ist nicht nur herausfordernd, sondern auch unglaublich spannend.

Über Lasse Fischer Postdoktorand am Institut für Statistik der Universität Bremen. Spezialist für sequentielle Inferenz und Multiple Testing. Mehr zu seinen Arbeiten findet sich auf seiner persönlichen Website und bei Google Scholar.

FAQs zu Lasse Fischer

Wer ist Lasse Fischer?
Lasse Fischer ist ein frisch promovierter Statistiker und aktueller Postdoktorand am Institut für Statistik der Universität Bremen. Er forscht schwerpunktmäßig zu anytime-valid inference und online multiple testing. Seine Arbeit verbindet mathematische Theorie mit praktischen Anwendungen in klinischen Studien.

Was hat Lasse Fischer nach seiner Promotion gemacht?
Direkt nach der erfolgreichen Disputation im September 2025 ist er als Postdoktorand in derselben Arbeitsgruppe bei Professor Werner Brannath geblieben. Dort treibt er eigene Forschungsprojekte voran, betreut Studierende und baut sein internationales Netzwerk weiter aus.

Welche Tipps gibt Lasse Promovierenden mit auf den Weg?
Lasse betont die Wichtigkeit von Work-Life-Balance, starkem Netzwerken und qualitativ hochwertigen Publikationen. Er rät, früh internationale Aufenthalte zu nutzen und sich nicht nur auf die Forschung, sondern auch auf Präsentations- und Kommunikationsfähigkeiten zu konzentrieren.

Bleibt Lasse Fischer in der Wissenschaft oder wechselt er in die Industrie?
Aktuell plant er den weiteren Weg in der Akademie, schließt einen späteren Wechsel in die Industrie (z. B. Pharmabranche oder Versicherungsmathematik) jedoch nicht aus. Für ihn zählt vor allem, dass die Arbeit sinnstiftend bleibt und echten Impact hat.

Warum sind Lasse Fischers Forschungsarbeiten relevant?
Seine Methoden ermöglichen es, Hypothesen während laufender Studien flexibel zu testen, ohne das Fehlerrisiko zu verlieren. Das ist besonders wertvoll für moderne klinische Plattform-Trials und datenintensive Anwendungen in der Medizin und Data Science.

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